Was auch immer gebaut wird – es wird mindestens zweimal so teuer wie ursprünglich berechnet und Monate später fertig als geplant und vom ersten Tröpfelregen überschwemmt.

Autor: Quelle: »Katzenköppe«, © Muriverlag 1995

Frühlingssegen

Mein Herz, aus goldnen Jugendtagen,
Aus glücklicher Vergangenheit
In grünes Laub ist's ausgeschlagen,
Da lebt's und atmet und gedeiht.

Die Sehnsucht aber, die ich hatte,
Und mancher wundersüße Traum,
Sie säuseln jetzt im Lindenblatte
Und flüstern in dem Tannenbaum.

Ich lebe, wo die Finken schlagen,
Man kann mich in der Blütezeit
Nach Haus in einem Zweige tragen,
Gefangen bin ich und befreit.

Es bringt mir in der Morgenkühle
Des Sonntags reine Himmelslust
Die längst entschlummerten Gefühle
Erinnernd wieder in die Brust.

Autor: Hermann Ritter von Lingg (1820 - 1905), deutscher Dichter, Mitglied des Münchener Dichterkreises »Die Krokodile«, verfaßte u.a. das Epos »Die Völkerwanderung«

Die Wahrheit muß nicht immer nackt sein.

Autor: Quelle: »Charakterkopf. Neue Aphorismen und Sprüche«, Books on Demand, 2004

Der Verstand schützt uns nicht vor Launen.

Autor: Quelle: »Unterdrückte Maximen. Oeuvres de Vauvenargues«, Édition Nouvelle, Furne et Cie, Paris, 1857

Der Mensch, der die menschlichen Gefühle nicht ersticken will, muß sich den Tieren gegenüber mit Güte verhalten; weil der, der unmenschlich gegenüber den Tieren ist, auch hart mit dem Menschen wird. Wir können die Seele eines Menschen an der Verhaltensweise gegenüber den Tieren erkennen.

Autor: Immanuel Kant (1724 - 1804), deutscher Philosoph

Polemik

Der Erste hat das Haar gespalten,
Und einen Vortrag darüber gehalten;
Der Zweite fügt es neu zusammen
Und muß die Ansicht des Ersten verdammen;
Im Buche des Dritten kann man lesen,
Es sei nicht das richtige Haar gewesen.

Autor: Ludwig Fulda (1862 - 1939), deutscher Dramatiker

Er führte erst den Degen fürs Vaterland mit nicht sonderlichem Glück, und nun fing er an, die Meßkette für dasselbe zu führen.

Autor: Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799), deutscher Physiker und Meister des Aphorismus

Männer von Charakter, Tapferkeit, Klugheit und Weisheit haben meist lange in Not und Bedrängnis gelebt.

Autor: Mong Dsi (372 - 289 v. Chr.), auch Meng-Tse, eigentlich Meng Ko, latinisiert: Mencius, konfuzianischer Philosoph, Demokrat und wandernder politischer Ratgeber, auf seiner Grabstätte wurde ein Tempel errichtet

Liebe: ein Tummelplatz für Biedermänner und Brandstifter, mitunter auch ein Lehrstück über sie.

Autor: © Peter Rudl (*1966), deutscher Aphoristiker

Wie oft sich das vereinigt: starke Eifersucht und schwache Liebe.

Autor: Quelle: »So seid Ihr!, Erste Folge«, Stuttgart und Leipzig: Deutsche Verlags-Anstalt, 1906

Wichtig ist nicht, ob man gewinnt oder verliert.
Was zählt, ist, einen Schuldigen zu finden.

Autor: © Frank Wisniewski (*1957), Informatiker, Technischer Redakteur und Systemanalytiker

Es ist für alle genug da! Dem Glauben an diese Tatsache würde unmittelbar das Wissen folgen, daß dem so ist. Der Umsetzung steht allein die Angst im Weg.

Autor: Quelle: »Das Buch für Dein Leben«,
Copyright (2008) Engelsdorfer Verlag

Eine Antwort zu geben fällt oft leichter,
als eine zu finden.

Autor: © Justus Vogt (*1958), denkender Lebender und lebender Denker

Machthabende erklären ihr Ziel zum Allgemeinziel. Der Einzelne hat keine Meinung zu haben. Mit Worten: Ja, aber das Handeln diktieren die Machthabenden und demonstrieren und behalten so ihre Macht.

Autor: © Irina Rauthmann (*1958), deutsche Aphoristikerin und Lyrikerin

Das größte Unglück für einen Unglücklichen besteht wohl darin,
daß er gewöhnlich ein sehr gutes Gedächtnis hat.

Autor: Quelle: Aus den »Fliegenden Blättern«, humoristisch-satirische Zeitschrift, erschienen 1845-1928 bei Braun & Schneider, München – Originaltext –

Eine neue Erfindung, wie konnten sie nur mit der alten auskommen!

Autor: © Manfred Hinrich (*1926), Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller